Zwei Hütten und die dunklen Jahre

Dienstag, 26. November 2019 Drucken E-Mail
Neue Regensburger Hütte im Stubaital. Foto: DAV Regensburg.

Dass die Sektion nun ohne eigene Hütte dastand, wollte die damalige Vorstandschaft, insbesondere Ludwig Hanisch, nicht auf sich sitzen lassen.

Und so motivierte er die Sektionsjugend und viele Spender zum Bau der Hanslberghütte oder auch Ludwig-Hanisch-Hütte. Sie lag und liegt bis heute nicht wie die erste Hütte der Regensburger in den Alpen, sondern ganz stadtnah in den Felsen über Oberndorf hoch über der Donau.

Hanslberghütte und Neue Regensburger Hütte

Trotz Hanslberghütte wurmte es die Regensburger Sektionsmitglieder, dass es für sie keinen Stützpunkt in den Alpen mehr gab. Und so machten sich 1927 die Herren Hanisch, Dr. Lang und Brandstetter nach mehreren ins Auge gefassten und wieder verworfenen Gebieten auf ins Hochstubai und verliebten sich in das Gebiet um den Falbesoner Bach und das Hohe Moos. Im Herbst 1929 begannen erste Sprengarbeiten, in den Jahren 1930 und 1931 wurde mit Hochdruck an der Hütte gebaut, die im August 1931 eröffnet wurde.

In der Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum der Sektion stand über den Tag der Einweihung: „Schwere Nebel zogen am 16. August 1931 von Süden her über die ganze Gruppe, in der nun die Neue Regensburger Hütte trotz aller Schwierigkeiten steht. Die Nebel wollten von Süden kommend von der Trauer künden, die das verlassene, nun welsche alte Haus in der Geislergruppe hat, weil es von seinem Mutterland abgetrennt ist.“

Der 2. Weltkrieg kündigt sich an

Hanisch, der „Vater“ beider Hütten, trat 1935 aus Alters- und Gesundheitsgründen zurück. Und erlebte die dunkelsten Jahre des Alpenvereins nicht mehr aktiv mit. Schon seit der Jahrhundertwende zeigten sich im Deutsch-Österreichischen Alpenverein antisemitische Tendenzen, die bei der Gründung der Sektion Wien 1905 mit dem „Arier-Grundsatz“ einen ersten traurigen Höhepunkt erreichte, der sich bis in die 1920-er in allen österreichischen Sektionen durchsetzte. Der Ausschluss der Sektion Donauland, die diesen Grundsatz bewusst nicht befolgte, im Jahre 1924 war ein zweiter.

Ab 1933 wurden im DÖAV de facto keine Juden mehr aufgenommen. Nach den „Nürnberger Rassengesetzen“ aus dem Jahr 1935 wurde eine Einheitssatzung für den Alpenverein ausgearbeitet: Die Mitgliedschaft basierte auf dem Reichsbürgschaftsrecht, allerdings mussten nur neue Mitglieder den „Ariernachweis“ erbringen.

Insgesamt war die Leitung des DÖAV zwischen 1933 und 1938 bestrebt, mit der nationalsozialistischen Regierung in Deutschland zusammenzuarbeiten. Nach der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich im März 1938 wurde aus dem DÖAV der DAV und der Leiter der österreichischen Landesregierung, Arthur Seyss-Inquart, übernahm die Führung des Alpenvereins. Der DAV war nun der „Fachverband Bergsteigen“ im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSLR).

NS-Zeit und die Sektion Regensburg

Und in Regensburg? Die kürzlich abgeschlossene Masterarbeit einer Regensburger Studentin arbeitet die dunklen Jahre der Sektion Regensburg auf, unter anderem basierend auf Einträgen im Hüttenbuch der Hanselberghütte. Im Jahresbericht 1934 ist ebenfalls klar zu lesen, dass der DÖAV und auch die Sektion Regensburg an die falschen Ideale glaubte: „Deutschland unser Vaterland ist wach. Die unerhörten Anstrengungen aller ehrlichen aufbauwilligen Kräfte vereint am Werk unter der energiegeladenen, zielbewussten Leitung unseres Führers Adolf Hitler geben diesen zwölf Monaten das Geschehen, das sie zur Geschichte werden lässt.“


Weiter zu den Jahren 1940 bis 1970: Die Nachkriegsjahre - Aufbruchsstimmung

Masterarbeit: von Hüttenbau bis Hitlerjugend

Foto: DAV Regensburg

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